Eine Erfolgsstory

Diese Kalt- oder Warmkompresse, neudeutsch „Kühlpad“, ist zum Star an jeder deutschen Schule geworden. In jedem Lehrerküchen-Kühlschrank an unseren Schulen dürften mehrere Exemplare parat liegen. Plus weitere Pads in der Sporthalle. Die eigentliche Funktion dieses Kühlpads, Schwellungen oder Entzündungen abklingen zu lassen, macht dabei, sagen wir, höchstens 30% seines Erfolges aus. Viel entscheidender ist:

Das Ding sieht gut aus (tolles blau) und fühlt sich noch besser an (kalt, glatt, geschmeidig). Ein Kühlpad auf der Haut, das hat etwas Klares, Reines. Die Lehrer-Empfehlung, das gute Stück aus Kälte- und Hygienegründen in eine grüne Papierserviette, die es auf den Klos gibt, einzuwickeln, ist da eher kontraproduktiv und mindert das Erlebnis.

Noch wichtiger wird das Kühlpad als Geste, als Symbol des Leidens. Zunächst lässt man die höhere Instanz im Lehrerzimmer, wenn man dort klopft und nach dem Kühlpad fragt, wissen: Mir geht es schlecht. Ich leide. Ein besorgtes Lehrergesicht ist da schon mal sicher. Ähnlicher Effekt bei den Mitschülern: Seht her, ich hab Schmerzen. Du hast mir weh getan, Kevin, und das wissen jetzt alle! Das Kühlpad wird zum öffentlichen Symbol für den momentanen Gesundheits- und Seelenzustand. Und dementsprechend stolz und mit Würde durchs Schulgebäude getragen.

Und selbst wenn man nicht so gerne gesehen werden will, vertraut man auf die durchschlagende Mund-zu-Mund-Propaganda der Mitschüler: „Hast du schon gehört? Die Cheyenne-Luna hat sich ein Kühlpad geholt und is im Krankenzimmer!“

Leider kommen die Kühlpads bei ihrer täglichen Nutzung nicht immer dahin zurück, wo sie herkamen. Und verlieren bei häufiger Nutzung schnell ihr schönes Äußeres: Falten und Knicke schmälern schnell das Heilungserlebnis. Wir kaufen also immer schön fleißig nach. Damit wir gute Trostware da haben.

 

P.S.: Das Foto hab ich hier zu Hause gemacht. Denn natürlich hab ich inzwischen auch ein Kühlpad privat im eigenen Gefrierschank liegen. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich damals in der Schule und daheim ohne ausgekommen bin…

5 Kommentare 19.11.11 19:22, kommentieren

Warum Robbie Williams nur der zweitgrößte Entertainer aller Zeiten ist

Weil es Queen und Freddie Mercury gab.

Der Auftritt der Band beim 1985er Afrika-Benefizkonzert "Live Aid" wurde 20 Jahre später zur besten Live-Performance aller Zeiten gewählt (Quelle), noch vor Jimi Hendrix in Woodstock. Wenn man sich die Bilder von damals ansieht, begreift man das Queen-Phänomen und die ungeheure Präsenz Freddie Mercurys, der das ausverkaufte Wembley-Stadion, mit seiner Dynamik, seiner Show, seinem Pathos fest in der Hand hat. Faszinierend. Wär ich gern dabei gewesen. Dabei fuhr ich damals an genau jenem Samstag mit den Eltern in den Spanien-Urlaub und hab von den Konzerten in London und Philadelphia, die live auf den 3. Programmen zu sehen waren, überhaupt nichts gesehen. War eigentlich ein schöner Urlaub aber ich war stinksauer. Dafür jetzt hier nochmal: Freddie, gib alles!

Playlist:

  • Bohemian Rhapsody
  • Radio ga ga
  • Hammer to fall
  • Crazy little thing called love
  • We will rock you
  • We are the champions
  • Is this the world we created? (3 Stunden später, zum Londoner Finale)

 

1 Kommentar 12.11.11 00:42, kommentieren

Vorher - nachher: "Ich liebe dich"

Ende '86 wurde "Ich liebe dich" von Clowns & Helden zum Radiohit. Das war eine deutsche Band mit deutschen Texten und den beiden Frontgesichtern Carsten Pape und Bernd Westermann. "Ich liebe dich" wurde ihr einziger Hit. Als ich den Song zuerst hörte, dachte ich: "Das kann doch eigentlich nicht Grönemeyer sein, oder?" Das Lied: schöner 80er-Schlagerkitsch, mochte ich sehr, auch die beiden LPs, die die Jungs rausbrachten. Gute Texte gab's zum Beispiel hier: Viel zuviel geredet , Die Beerdigung oder Clowns und Helden zum Geläut.

 

 

Fast 25 Jahre später platziert Pape eine Neuauflage seines Hits, die Band heißt mittlerweile "Papes Brüder". Die neue Version beweist vor allem eines: Während die Stimme unser unverkennbares Markenzeichen ist, weil sie sich wenig ändert, kann das Äußere schnell mal in die Irre führen. Er is halt ein paar Jährchen älter geworden. Huch, ich ja auch.

2 Kommentare 3.11.11 23:44, kommentieren

Julia Jentsch

3x die großartige Julia Jentsch und 2,5x großes Kino (leichte Abstriche bei Nr. 3). Was mich freut: In zwei Fällen hab ich "La Julia" schon im Unterricht verplant und für Sophie Scholl gibt's auch schon ein Projekt mit würdigem Ersatz...

 

Effi Briest (2009)

 

Sophie Scholl (2005)

 

Tannöd (2009)

(und für die Effi-Klausur im GK am Donnerstag hab ich jetzt auch 'ne schöne Idee...)

1 Kommentar 31.10.11 16:06, kommentieren

Mme Depp macht nach wie vor Musik...

...und die gefällt mir auch ganz gut:

(aus dem Animationsfilm "Ein Monster in Paris", produziert von Luc Besson, läuft in la France seit 12. Oktober)

2 Kommentare 26.10.11 22:23, kommentieren

Die Millennium-Hörbücher

Ich darf mal ein bisschen Werbung für das machen, was ich in den letzten Wochen im Auto gehört habe. Dietmar „Freddy Schenk“ Bär liest auf 3x 8 CDs die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Bücher gelesen, Filme gesehen – Kinoversion und ZDF-Director’s Cut – und jetzt auch noch die Hörbücher. Da war mir das Risiko eines Zuviels an Lisbeth und Kalle Blomquist schon bewusst. Zudem ziehe ich Hörspiele den Hörbüchern normalerweise vor.

Dietmar war es aber wert. Jeden Cent. Der Mann akzentuiert die verschiedenen Rollen unterschiedlich, was man von einem Schauspieler ja auch erwarten darf, aber er macht es dezent. Kein akustisches Overacting. Und man vergisst ihn. Bär ist sicherlich in unseren Köpfen als Tatort-Kommissar sehr präsent. Aber nach einer Weile hab ich daran nicht mehr gedacht.

Das ging mir beim Hörbuch davor nicht so. Da las Wolfgang Pampel den „Da Vinci Code“. Pampel ist u.a. J.R. Ewing oder Harrison Ford. Und er blieb das für mich über das ganze Hörbuch. Ich dachte ständig an diese anderen Figuren, die er synchronisiert. Zudem machte er einen Fehler, der schon im Sakrileg-Film begangen wurde. Er verlieh manchen Figuren einen französischen Akzent. Wenn der aber unecht klingt, wirkt er albern. So wie die deutsche Stimme von Audrey Tautou albern klingt, die im Film die Sophie Neveu spielt.

Als nächstes Hörbuch läuft im CD-Wechsler schon „Die Firma“, 4 CDs gelesen von Charles Brauer, dem nächsten (diesmal ehemaligen) Tatort-Kommissar. Hatte Aldi-Süd letztens als Aktionsware im Programm. Brauer macht’s auch gut, da gefällt mir vor allem die etwas höhere, leicht quengelige Tonlage, die er einem der Bösewichte verleiht.

1 Kommentar 22.10.11 10:54, kommentieren