25 Jahre 'Last Christmas' - Ein Plädoyer

Es sind eben doch Rituale, die unser Leben bestimmen. Gerade an Weihnachten. Und vor allem auch medial. Kein Christmas ohne die Hopppenstedts; Jahr für Jahr bringt das ZDF in der Weihnachtsnacht "Ist das Leben nicht schön?" mit James Stewart, nicht ohne dass einige Tage zuvor die ARD die TV-Festtage mit dem "kleinen Lord" und Alec Guinness eingeläutet hätte. Sissi darf nicht fehlen. Einige Actionklassiker mit Bruce Willis und Geena Davis sind obligatorisch. Und wenn dann "Dinner for one" in einem der Dritten gesucht wird, dann sind wir fast durch mit diesem festen Ablauf.

Hinzu kommen George Michael und Andrew Ridgeley. Die beiden feiern Jubiläum. Erstmals stürmten sie 1984 die Charts mit ihrem Weihnachtsliedchen "Last Christmas". Von Null auf Zwei: Es machte Wham! in den Charts. Platz 1 blieb den beiden Jugendfreunden, von denen der Talentierte den Talentfreien mit durchzog, ihm zu Millionen verhalf, um dann seine Solokarriere zu starten, übrigens überall verwehrt. In seinem ersten Jahr wurde der Weihnachtsklassiker nämlich allerorts von Band Aid's "Do they know it's Christmas?" geschlagen.

Danach war es ein paar Jahre ruhig, dann ging's los: Jahr für Jahr Rückkehr in die Radios, auf die Videoclip-Kanäle und in die Charts. "Last Christmas" schafft seitdem Jahr für Jahr die Top 20 in Deutschland (2009: Platz 18), gelegentlich auch mal die Top 10. Und seit einigen Jahren steigen natürlich auch die You-tube-Aufrufe in der Weihnachtszeit entsprechend.

So eine geballte Ladung Christmas Jahr für Jahr fordert Gegenreaktion heraus. Und so haben wir mittlerweile die Meinungsherrschaft der "Last-Christmas-Hasser". Das ist dann so eine Art "Kelly-Family-Effekt": Jeder noch so dahergelaufene, ahnungslose Dummschwätzer darf mal bei der Mehrheit punkten, indem er auch noch draufhaut. Schimpfen im Schutz der Masse, darin sind wir gut.

Da gefalle ich mir dann schon eher in der Rolle des Anwalts der Opfer. Die Kellys z.B. haben gar keine so schlechte Musik gemacht. Tokio Hotel find ich okay, muss es auch geben. Und "Last Christmas" ist nach wie vor einer meiner persönlichen "Xmas"-Klassiker. Denn die ständige Wiederholung ist schon fast die einzige Schwäche dieses sehr guten Popsongs. Und das, was das Lied populär gemacht hat, gilt auch heute noch:

Erstens: Ein vergleichbar guter Ohrwurm ist George Michael nur noch mit "Careless whispers" gelungen, einer Schnulze, die übrigens ebenfalls '84 veröffentlicht wurde (geschrieben hat George sie schon viel früher).

Zweitens: Lied und Videoclip bedienen Themen, die alle ansprechen, der weihnachtliche Flirt bzw. der melancholische Blick auf die Verflossene, das lustige Schneewochenende der Clique über die Feiertage, das gemeinsame Weihnachtenfeiern mit Baumschmücken, Pute essen und so...

Drittens: Das führt dazu, dass sich jeder unmittelbar mit Lied und Clip identifizieren kann, die Barriere zwischen Star und Fan ist aufgehoben. Die feiern genauso wie wir, da könnten wir grad mal dabei sein.

Viertens: Der Videoclip hat genau die Optik, die es braucht, um Weihnachtsgefühle zu wecken. Schnee, Berge, geschmückter Baum, Spaß haben... Und all das sogar relativ zeitlos (abgesehen von den Frisuren und manchen Kleidungsstücken) - erstaunlich eigentlich für die '80er Jahre.

Fünftens: Und im Gegensatz zu vielen anderen Meinungen behaupte ich mal, dass man sich eben lange nicht an diesem Song satthört, ganz anders als bei vielen anderen "Hits" dieser Zeit. In diesem Sinne: Auf die nächsten 25 Jahre, George und Andrew !

(Hier der Clip, solange er verfügbar ist: )

 

25.12.09 12:59

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