Mehr Bildung in Blogs

Auf literatenmelu.de ruft Bloggerin Melanie dazu auf, zum Thema Blogs und Bildung zu schreiben. Sie schlägt fünf zu beantwortende Fragen vor; bitteschön:

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

Schwerpunkte setzt meine Erinnerung bei außerunterrichtlichen Erlebnissen oder generell im zwischenmenschlichen Bereich. Wann habe ich die erste große Liebe kennengelernt (Schüleraustausch), wo im Schulgebäude mich anfangs immer mit ihr getroffen (Eingangsbereich) und wie hat mein Lieblingslehrer (Deutsch, Französisch, Theater) uns kommentiert ("Küssen in der Schule geht gar nicht!" ) ? Solche Dinge eben. Das ist heute eine gute Mahnung. Als Lehrer neigt man dazu zu glauben, der eigene Unterricht sei Lebensmittelpunkt der lieben Kleinen. Aber ganz abgesehen davon, dass beim Schüler rund ein Dutzend Fächer koexistieren, läuft Unterricht und Lernen eben doch oft sehr nebenher.

2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Ich war ein Kind, das einige seiner Erfahrungen noch im Sprachlabor gesammelt hat. Und das durchaus spannend fand. Ansonsten beschränkte sich der Einsatz von Medien im Schulunterricht der '80er Jahre auf:

a)       Cassetten

b)       Schulfernsehbeiträge auf Super-8-Filmrollen

c)       wunderbar stinkende Matrizen

d)       gelegentlich mal eine Schallplatte

e)       seltene Theater-/Kinobesuche

Im Langzeitgedächtnis ebenfalls eingebrannt: Colin und Linda Scott, mit Tibby und Toby.

3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Ich denke zu wenig darüber nach und habe mich bislang auch zu wenig darüber informiert, als dass ich mich dazu qualifiziert äußern könnte. Dass man mit mehr Praxisorientierung heute einen richtigen Weg einschlägt, steht wohl kaum noch zur Debatte. Möglicherweise ist die andere gewichtige Schraube, an der zu drehen wäre, die finanzielle, um zu gewährleisten, dass der Beruf "Lehrer", im öffentlichen Ansehen kleingefaltet und in der Luft zerrissen, wieder eine Aufwertung erführe.

4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Das wird kommen. Eben auch auf breiter Front. Netzwerke wie moodle oder lo.net werden in einigen Jahren gang und gäbe an deutschen Schulen sein und Unterricht entscheidend verändern. Ich bin sehr neugierig auf den Einsatz von Blogs, Twitter etc., setze aber Ideen, Projekte nur langsam und vorsichtig um. Wie immer schon sollte das Medium kein Selbstzweck sein. Zudem empfinden Schüler die Nutzung von Internetkommunikation nicht selten als Eingriff in ihre Domäne.

Beispiel: Der Versuch, twitter für den Französischunterricht im 4. Lernjahr zu nutzen, ist im Herbst in einem ersten Anlauf gescheitert. Teilnahme unterlag nicht der Benotung und war freiwillig. Und damit für viele gleich mal uninteressant (Zitat aus dem Unterricht: "Was soll mir das bringen?" ). Eine Wiederauflage des Ansatzes ist für zukünftige LKs geplant, wo dieses Hindernis hoffentlich keins mehr ist.

5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Sinnvoll ergänzen sicherlich, ersetzen möglicherweise auch. Unsere Schule hat einen überdurchschnittlich großen Einzugsbereich. Da stelle ich als Lehrer, der nach Elternsprechtagen regelmäßig Schülernachhilfe vermittelt, immer mal wieder fest: Gemeinsame Nachhilfezeiten zu finden, ist schwierig. Da die Internetkommunikation dieses Problem, dass man gemeinsam gleichzeitig Zeit haben muss, meist aufhebt, liegt für mich allein darin schon großes Potenzial. Schwierigkeit: 13-/14-Jährige dazu zu bringen, eigenständig genau so zu arbeiten, als stünde der Nachhilfelehrer oder sonst wer daneben…

Edit: Eine passende Ergänzung zum Thema habe ich in diesem Artikel von taz-online gefunden

28.12.09 20:14

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