Kenneth Branagh ist Kurt Wallander ist Rolf Lassgard ist Krister Henriksson


In diesen Tagen zeigt die ARD die zweite Staffel der britischen Wallander-Produktion mit Kenneth Branagh. Mörder ohne Gesicht war am 26.12. zu sehen, Der Mann, der lächelte und Die fünfte Frau folgen noch. Die ersten drei Verfilmungen hatte es Pfingsten 2009 gegeben.

Noch mehr Wallander? Das haben sogar Leute gedacht, die wie ich die Figur Henning Mankells bislang gerne gelesen und gesehen haben. Zwei gibt es schon. Rolf Lassgard war der erste, den das schwedische Fernsehen ab 1994 besetzte. Meine Nummer 1. Kein Wallander konnte unappetitlicher, echter und dabei eben auch ehrlicher den Romanen entsprechend sein. Für die Reihe Mankells Wallander besetzte man ab 2005 Krister Henriksson. Da gibt's auch schon über 15 Filme, in denen Henriksson dynamischer, gesünder, anfangs etwas schlanker und auch resoluter auftrat als Lassgard. Das fand ich gewöhnungsbedürftig, dann aber auch überzeugend. 2008 machten dann Branagh und die BBC einen dritten Anlauf. Meine Erwartung: Ausgereizte Stoffe werden bestenfalls noch durch ihren Hauptdarsteller geadelt, Kenneth Branagh ist in meinen Augen ein begnadeter Schauspieler (und Regisseur!).

Aber so war es dann doch nicht. Es gelang in den ersten 3 Filmen auch mit Branagh, den Stoffen noch etwas neues abzugewinnen. Das war nicht nur, aber eben auch die Leistung des Akteurs. Branagh schafft es, mich in 90 Minuten mehr zu berühren als Lassgard in 3 Stunden. Und die Komprimierung auf eben diese 90 Minuten war auch in allen 3 Fällen gelungen. Die Komplexität eines Romans herunterzubrechen, ist alles andere als einfach. Nicht wenige haben an der Verfilmung der Säulen der Erde ja gerade bemängelt, dass die Handlung zu ausladend und komplex gewesen sei. Aber so is halt auch das Buch.

Nun also Mörder ohne Gesicht. Und hier zum ersten Mal eine Enttäuschung. Es ist Branagh und Team diesmal nicht gelungen, die Story glaubhaft zu transportieren. Warum plötzlich diese Ausländerhetze? Bei Lassgard nimmt man sich für den Roman Zeit (2x 90 Min.) und somit wird genau das nachvollziehbar. Bei Branagh nicht. Und das, wo doch der eigentliche Fall und seine Lösung in 20 Minuten abgehandelt ist. Zeit war eigentlich genug. Verschenkt auch, das Dilemma aufzuzeigen, das Mankell im Sinn hatte: Dass die Täter am Ende tatsächlich Ausländer sind, legitimiert in keinster Weise die Hetze, die zuvor ausgebrochen war, weil das Opfer noch das Wort "Ausländer" stammeln konnte. Die BBC-Verfilmung hält sich sehr an Wallanders Empörung über die plötzliche Pogromstimmung auf. Das fordert aber den demokratisch geschulten Zuschauer nicht. Und warum gibt Wallander am Ende seine Marke ab? Erschloss sich mir hier auch nicht.

Was blieb, war Branagh, dem ich abgenommen habe, dass sich Kurt über seine eigene Voreingenommenheit ärgert (der Neue seiner Tochter ist zwar Akademiker, heißt aber Djamal). Was auch blieb, waren die fantastischen Bilder südschwedischer Kornfelder und die eindringlich dargestellte Verzweiflung darüber, dass der alternde Vater zusehends demenzkrank wird. War mir unter'm Strich zu wenig.

29.12.10 23:53

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