Musik und Emotionen

Kostenlos an Musik zu kommen, war schon immer eine emotionale Sache. In den 70ern hing ich mit einem Mikro vor einem Kofferradio und nahm meine Hits in der sonntäglichen Hitparade von Radio RTL auf. Diese Hitparade moderierte übrigens DJ Frank. Frank Elstner. (Völlig unvergessen auch die RTL-Torglocke, die die Luxemburger in ihrer Samstagsendung zur Bundesliga einsetzten. Die schepperte so schön und konditionierte mich so knallhart, dass es Pawlow eine Freude gewesen wäre.) Der emotionale Super-GAU bei der Musikaufnahme: Wenn man endlich die heißersehnte neue Boney-M.-Single aufnehmen konnte, und Mutter dann ins Kinderzimmer kam und irgendwas Unwichtiges auf die Aufnahme quatschte. Oder das Telefon schrillte. Usw.

In den 80ern touchierte mich der Fortschritt: Zunächst mit einem Kofferradio, dass ein Cassetten-Doppeldeck besaß. Später dann mit einer schicken Hifi-Komponenten-Anlage von Technics. Nebengeräusche waren nun keine Gefahr mehr. Aber als Purist wollte man natürlich immer den ganzen Song vom ersten bis zum letzten Ton aufs Tape bekommen. Und das war alles andere als einfach. Denn die verehrten Radiomoderatoren (Elmi Hörig et al) quatschten natürlich mit inbrünstiger Leidenschaft in die ersten oder letzten Takte gerade der Songs, die einem noch fehlten. Besonders harte Fälle in dieser Zeit: der unvermittelte Beginn von „Bruttosozialprodukt“ oder das gemeine Ende von „Such a shame“ oder "Under pressure", wo immer doch noch was hinterherkam.

Und heute? Das Glücksgefühl, endlich einen Song erwischt und aufgenommen zu haben, ist wohl ersatzlos gestrichen. Was man sucht, findet man auch im Internet. Das Wutpotenzial, das in einer missglückten Aufnahme steckte, gibt’s aber heute noch. Und heißt inzwischen „GEMA“. Prangt auf jedem zweiten You-tube-Fenster, wenn man in unserem schönen deutschen Vaterland online geht. Grrr.

12.12.11 19:29

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