Man darf nicht mehr nichts tun

Sommer. Ferien. Urlaub. Am Ende dieser Zeit steht immer eine Frage: "Und? Wart ihr weg in den Ferien?" Dieses Jahr lautet die Antwort wieder mal: "Nein." Was dann passiert, muss man genau verstehen, darauf sollte man sich vorbereiten. Die erste Reaktion ist Verblüffung (es gehört sich bei uns so, Urlaub zu machen), dann kommt die erbarmungslose Rückfrage: "Nicht? Was hast du denn dann die ganze Zeit gemacht?" Wenn du in den Urlaub fliegst, dich an den Pool legst, ist es erlaubt, nichts zu tun. Aber nur dann. (Höher angesehen, auch hier: Der kulturelle Trip.) Bleibst du Zuhause und machst nichts: Inakzeptabel. Der Poollieger hat ein bedeutend besseres gesellschaftliches Ansehen als der Zuhause-Faul-Rumsitzer.

Nun sitze ich ja nicht die ganze Zeit rum. Man macht Ablage, man bereitet Unterricht vor, man bearbeitet endlich mal den Videofilm vom letzten Familienausflug, man wollte schon immer mal damit anfangen, die CD-Sammlung in mp3s zu erfassen, die Steuererklärung wartete noch usw. Problem: Auch bei den Tätigkeiten Zuhause im Urlaub/in den Ferien gibt es feine Unterschiede: "Ich habe den Garten auf Vordermann gebracht." - Okay. "Ich habe den Keller mal komplett aufgeräumt." - Okay. - "Wir haben Flur, WC und Arbeitszimmer renoviert." - Okay. "Ich habe meine CDs auf den Rechner überspielt." - Nicht okay.

Wir definieren uns so sehr über Tätigkeiten, über Fleiß und über Aktivität, dass du dich wirklich nur auf Malle mal einfach so hinlegen kannst. Zuhause solltest du in den Ferien am besten ein Haus bauen, alles andere wird nicht toleriert.

Da hilft auch meine To-do-Liste nicht, die ich quasi als höhere, mir beistehende Instanz vorlege. 12 von 15 Punkten abgehakt, aber nur die Steuererklärung findet Gnade...

11.8.09 17:55

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


zillie / Website (15.8.09 11:12)
Siehst Du, und nicht mal die habe ich in den Ferien geschafft, ... denn... laut freundlichem Mahnbrief habe ich noch bis zum 24. damit Zeit...
Aber meine Ferienaktivitäten mag ich auch nicht unbedingt hervorheben, bin aber für mich stolz, dass ich sie weg gearbeitet habe.
Wenn Dich sonst keiner lobt, musst Du es eben alleine machen ; ))


Der Clownfisch (15.8.09 14:33)
Das Bedürfnis, gelobt werden zu wollen, ist als Thema mal einen eigenen Blogeintrag wert. Ich habe nach und nach festgestellt, dass ich darauf wirklich angewiesen bin. Und dass das nichts Schlimmes ist! Danke übrigens für die ersten Kommentare!

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