Lehrer sind keine Dienstleister

Die Dienstleistung ist mittlerweile zu einem sehr wichtigen Kriterium geworden, wenn es darum geht, wie wir Menschen in unserer Gesellschaft miteinander umgehen. Der Dienstleistungsgedanke ist omnipräsent, wenn wir konsumieren, kaufen, verkaufen. In den letzten Jahren scheint mir das Denken über Dienstleistungen von einem Extrem ins andere gefallen zu sein. Früher sprach man von der Bundesrepublik als Servicewüste. Kunden hatten dankbar zu sein, wenn sie überhaupt bedient wurden. Sie traten nicht selten als Bittsteller auf und akzeptierten dies auch in der Mehrzahl ihrer Dienstleistungssituationen. Man schwärmte von Amerika, wo der Umgang mit dem Kunden ein ganz anderer war: Professionelle Freundlichkeit, umfassender Service usw.

Heute scheint sich vieles ins Gegenteil verkehrt zu haben. Bei Kellnern wird genauestens geprüft, mit welchem Blick sie das Essen an den Tisch bringen. Wartezeiten oberhalb des Bagatellbereichs werden – ganz gleich wo – nicht akzeptiert. „Infotainment“-Reportagen der Privatsender zeigen Leute, die in Hotelzimmern in den verstecktesten Winkeln nach einem Staubflöckchen suchen und damit triumphierend zum Management gehen und mehr Hygiene einklagen. Die Reihe ließe sich seitenlang fortsetzen.

Und gleichzeitig werden wir überall aufgefordert, Dienstleistungen zu bewerten. Bei Ebay, in Internetforen, auf dem Kärtchen, das im Speisekartenhalter auf dem Restauranttisch steckt…

Diese Entwicklung halte ich für nicht gut. Die Dienstleister, sie sind „ja auch nur Menschen“, sind meist nicht in der Lage, immer auf alle Bedürfnisse einzugehen, besonders wenn diese immer weiter reichen, die Konsumenten immer kritischer werden.

Aber nun gut, der Trend verläuft derzeit nun mal so. Interessant ist für mich vor allem: Dass der Gedanke der „Dienstleistung“ immer öfter mit der Schule in Verbindung gebracht wird. Für viele sind Lehrer in einem mehr oder weniger weiten Sinne „Dienstleister“. Das sehe ich anders.

Ich kann als Lehrer nicht (immer) die Bedürfnisse meiner „Konsumenten“ befriedigen. Das ist auch nicht meine originäre Funktion.

Bekommt mein Schüler in der Deutscharbeit eine 5, ist er unzufrieden. Manchmal akzeptiert er die Note, manchmal nicht, zufrieden ist er aber so gut wie nie.

Nicht jeder Schüler bekommt am Ende der Grundschule die Gymnasialempfehlung. Diese Kolleginnen befriedigen in der Regel nicht die Bedürfnisse ihrer Konsumenten, der Eltern.

Fehlverhalten von Schülern muss ich in vielen Fällen sanktionieren. Das erwartet die Gesellschaft von der Institution „Schule“ und ihrem ausführenden Organ, dem Lehrer. Oft genug erlebe ich, dass meine „Konsumenten“, die Eltern, mit derartigen Sanktionen nicht einverstanden sind.

Schule ist keine Dienstleistung, weil Bildung und Erziehung nicht konsumiert werden kann. Als gesamte Gesellschaft haben wir uns dazu entschieden, im Kinder-/Jugendalter zur Schule zu gehen und zu lernen. Dieses Angebot, das wir uns selbst machen, können wir nutzen oder nicht. Wir sollten es nutzen, da es uns eine Menge Geld kostet. Der Lehrer ist in diesem System derjenige, der im Auftrag der Gesellschaft hilft, beisteht, lehrt und bewertet. Lehrer sind daher im besten Falle ein Dienstleister gegenüber der Gesellschaft als Gesamtheit, nicht aber gegenüber einzelnen Eltern und ihren Bedürfnissen. Das scheitert am Begriff der bedingungslosen „Befriedigung“ solcher Bedürfnisse.

Was ich übrigens jederzeit unterschreiben würde: Dass ein Lehrer da, wo es geht, sich um Bedürfnisse von Schülern und Eltern bemüht. Das ginge dann in Richtung eines Dienstleistungsbegriffs, der mir gefiele: An die Stelle des fordernden Charakters, den Dienstleistungen derzeit haben, könnte eine Art Bereitwilligkeit stehen. Ich dienstleiste da, wo ich kann, und wenn es nicht geht, werden nicht gleich Filialleiter, Kundendienstabteilung und Konzernleitung mit Beschwerdebriefen überhäuft.

Ergänzend:

Immer wieder werden Ansprüche gegenüber staatlichen Einrichtungen mit dem Argument geltend gemacht, man bezahle ja schließlich Steuern. Steuergelder als Bestandteil eines vermeintlichen "Dienstleistungs"-Vorgangs an Schulen zu sehen, halte ich für fatal. In der Tat ist dieses Denken ja sehr verbreitet. Denkbare Meinung bsw.:
- "Der Ulla Schmidt muss mal genauestens auf die Finger geguckt werden, schließlich lebt die ja auch von meinen Steuern." (Fingerschauen ja, aber doch wohl mehr aus inhaltl. Gründen.)
- "Das sind ja letztlich auch meine Steuergelder, wenn die Merkel dem Ackermann 'ne Party schmeißt." (Ist mir lieber als umgekehrt.)
Steuern bezahlen wir, weil wir wollen, dass unser demokratischer Staat funktioniert. Deshalb haben Eltern bsw. bei Schulen in den entsprechenden Gremien ja auch ein Mitspracherecht. Ich persönlich kann mir mit Steuergeldern aber keine persönliche Dienstleistung beim Staat/Land/der Kommune/der Schule kaufen.

Und jenen, die finden, dass sie der Merkel höchstpersönlich diktieren müssten, was sie zu tun und zu lassen hat, weil sie sie ja auch höchstselbst via Steuer bezahlen, müsste man klar machen, dass wir uns an der jährlichen Finanzierung der Bundeskanzlerin durchschnittlich mit ca. 0,0083 Euro beteiligen (grob überschlagen auf der Grundlage von im Netz eruierbaren Zahlen: Gehalt Bundeskanzler, Anzahl Steuerzahler).

 

31.8.09 23:47

bisher 26 Kommentar(e)     TrackBack-URL


zillie / Website (1.9.09 20:41)
Servicewüste... ich denke, die haben wir immer noch, zumindest in der Verwaltung bzw. in den von Beamten dominierten Bereichen, .. sage ich als Beamtin.
In der letzten Zeit musste ich wiederholt bei Ämtern vorsprechen... und hatte wieder die Erlebnisse der besonderen Art. Ein Büro, 2 Mitarbeiter, .. vor der Tür eine Besucherin... ich...
Ich klopfe... nichts.... Normalerweise würde ich die Tür vorsichtig öffnen und reinschauen, aber ich erinnere mich gerade noch, dass ich ja in einem Amt bin... also klopfe ich erneut. Mit etwas Verzögerung kommt ein muffeliges „Ja“. Ich schaue in 2 genervte Gesichter, bringe unterwürfig vor, was ich möchte und man lässt mich gnädig eintreten. Leider können sie mir beide nicht helfen, aber sie geben mir eine Telefonnummer, ... unter der ich wieder den falschen Ansprechpartner erwische... Nun ja, das geht noch so ein bisschen weiter... immer mit der gleichen Freundlichkeit. Der Hammer dann... – da fährt doch tatsächlich ein Rollstuhlfahrer vor --... ich frage, ob ich die Tür auflassen darf... Na ja, wenn’s sein muss.. nein, das sagen sie nicht, .. aber genau so sieht ihr Gesicht aus.
Es war übrigens eine Stelle für Schwerbehinderte. So viel zum Thema Dienstleister...


zillie / Website (1.9.09 20:42)
Ich verstehe mich übrigens sehr wohl als Dienstleister. Ich habe einen Kunden.. den Schüler/die Schülerin... (die Eltern interessieren mich nur am Rande...). Mein Kunde kommt, weil er muss... so ist die Realität, manchmal auch, weil er will,.. und er erwartet von mir, dass ich auf ihn eingehe, ... herausfinde, was er schon kann und an welcher Stelle er abgeholt werden muss. Ich soll ihm Bildung vermitteln und Sozialverhalten, dafür muss ich ihn nicht bewerten, das schreiben mir nur meine Dienstherren vor. Für ihn wäre es besser, ich könnte es lassen. Aber ich kann versuchen, das, was ich tun muss, .. was man mir vorschreibt, so verträglich wie möglich für ihn anzuwenden und ich kann ihm erklären, welche Vorteile es bei allen Nachteilen auch hat. Ich kann ihm verdeutlichen, wo der Nutzen für ihn liegt und um Kooperation werben. Auf gar keinen Fall sollte ich ihn niedermachen, entmutigen oder ihm das Gefühl vermitteln, dass er für mich ohne Bedeutung ist. Ich kann freundlich zu ihm sein mich über seine Fortschritte freuen und ich kann seinen Eltern sagen, was er alles leisten kann und dass es vielleicht so ist, dass er andere Dinge nicht leisten kann, zur Zeit nicht und dass es ihm zu schwer fallen würde, ihren zu hohen Erwartungen gerecht zu werden. Und wenn ich es in einer an dem Schüler interessierten Form vortrage, dann habe ich noch immer Gehör gefunden, auch wenn die Note/die Beurteilung/die Empfehlung nicht den Erwartungen entsprach. Denn... sowohl Schüler als auch Eltern wissen durchaus um die tatsächlichen Verhältnisse und eigentlich wollen sie auch nichts, was nicht gerechtfertigt ist.


zillie / Website (1.9.09 20:42)
Und ... Ja, letztendlich werden wir vom Steuerzahler bezahlt... Ich mag mich auch nicht von jemandem unangemessen behandeln lassen, den ich bezahle... Und was ich manchmal von Schülern höre,.. wie sie von Lehrern behandelt wurden... da ist etwas Wahres dran,.. das saugen sie sich nicht alles aus den Fingern... da muss unser Berufsstand noch eine Menge lernen.


Der Clownfisch (1.9.09 21:50)
Ich habe inzwischen wieder etwas weiter gedacht und finde, dass es stark davon abhängt, was man bei dem Begriff "Dienstleistung" akzentuiert. Was du im 2. Kommentar darlegst, würde ich nahezu komplett so unterschreiben (abgesehen vom Schluss - ich habe de facto nicht immer Gehör gefunden). Neben der Schwierigkeit, die mir die "bedingungslose Befriedigung jedes Kundenbedürfnisses" durch den Dienstleister macht, ist es die überhöhte Erwartungshaltung, die mich stört. Das ist zurzeit mein Akzent, auf dem ich rumkaue...


zillie / Website (1.9.09 23:27)
Nun, ich muss gestehen, dass ich nicht mehr viel Elternkontakt habe. Das liegt nicht nur am Alter der Schüler sondern auch daran, dass die Kinder sich zunehmend selbst überlassen sind, sich mit den Eltern zerstritten haben oder sich schlichtweg nichts mehr sagen lassen. Das ist bei jüngeren Schülern sicherlich schwieriger und ich weiß aus eigener Erfahrung als Mutter, dass es Eltern gibt, die da sehr eigen sind.
Ich stimme Dir zu, dass es nicht darum gehen kann, bedingungslose Bedürfnisbefriedigung als Dienstleistung anzustreben, aber die "Kundenorientierung" ist mir in der Schule eindeutig zu wenig verbreitet. Ein weiteres Problem ist, dass sich unerwünschtes Verhalten negativ auf die Leistungsnote auswirkt. Mein Sohn hatte einen Freund, mit schneller Auffassungsgabe aber unruhig und laut. Bei den Lehrern stieß er immer wieder auf Unmut, wodurch er teilweise die Mitarbeit verweigerte. Wenn Du mich fragst, war der Junge einfach nur unterfordert und wurde nicht angemessen geführt. Er bekam eine Realschulempfehlung, hat aber das Gymnasium problemlos geschafft. Wenn man bedenkt, dass solche Schüler oft auch noch in die Hauptschule abgeschoben werden, kann man das kalte Grausen kriegen... und da haben Eltern kaum eine Chance, etwas zu bewegen.

Mehr Transparenz wäre wünschenswert und vielleicht auch eine Ausweitung der Bezugspersonen, dann würde eine Einschätzung nicht so sehr von den Eindrücken einer Person abhängen.


Annetta (5.10.16 08:57)
Wow, lovely portal. Thnx ...


Troy (8.4.17 07:15)
Eu estou ido para informar meu irmãozinho, que ele também deve visite
isto blog em base regular para obter atualizado a partir mais quentes
Notícias atualização.


Troy (8.4.17 07:16)
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Marcella (20.4.17 13:08)
Eu sei isso se off-topic, mas eu estou olhando para começar
minha própria weblog e foi imaginando que tudo é necessário para obter configuração?
Acho que ter um blog como seu custaria uma fortuna. Eu não sou muito web esclarecido por isso não estou 100% positivo .
Qualquer sugestões ou Conselho seria muito apreciado.

Saúde


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Acho que ter um blog como seu custaria uma fortuna.
Eu não sou muito web esclarecido por isso não estou 100% positivo
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Pedro Pietro (23.4.17 09:48)
Poderia ser um tanto simples como a imagem de uma nova cafeteria
na cidade com a pergunta Alguém já visitou esse lugar?_.


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Maria Larissa (10.6.17 03:25)
Seu food truck necessita possuir uma infra-estrutura adequada com o objetivo de acudir exímio necessidades compaixão senhor forma característico a cardápio, adiante
dentre saber as leis e incômodo no negócio a fim de
negativa entrar no consequência de aparência perdida.


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com o objetivo de acudir exímio necessidades compaixão senhor forma característico a cardápio,
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negativa entrar no consequência de aparência perdida.


Pedro Guilherme (14.7.17 14:07)
Contudo alicerçador destinado a acometedor experienciar certo autoridade apto dentre
suas vendas no entanto com teu espada.


Pedro Guilherme (14.7.17 14:07)
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Diane (23.9.17 02:57)
Ol_ , _timo post. H_ um problema em copiar
em meu web site , com link para seu post ?


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Davis (3.12.17 19:22)
Afinal, só mulher negra tem cabeça afro?


Pedro Henrique (23.3.18 20:27)
Você que antever que nem adquirir arame na net?


Larissa (4.4.18 08:16)
Obrigado para fornecendo muitos destes soberba
material de conteúdo .


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Maria Ana Júlia (18.4.18 03:36)
Você tem incrível coisa aqui .


GeorgeClame / Website (24.5.18 23:57)
TOP!
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Maryann (9.3.19 01:32)
Hey very nice blog!


João Emanuel (26.1.20 12:09)
Comprimento dos cílios deve variar suavemente.

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